Die versteckte Kathedrale von Lucca

Donnerstag, Juni 30, 2016
Veröffentlicht in : Kirchen & Religiöse Gebäude Lucca Ortschaften Sehenswürdigkeiten
Fassade, San Martino
Man hat irgendwie ein Bild italienischer Kathedralen im Sinn, das in Filmszenen, Fernsehshows und Zeitungsartikeln entstanden ist. Man stellt sich einen großen Piazza vor, voll mit gut gekleideten Jugendlichen, Kindern, die hin und her rennen und traditionellen älteren Herrschaften, die sich alle vor einer emporragenden Kirche versammeln.

Die Kathedrale von Lucca liegt allerdings ganz abseits im Altstadtzentrum, fernab von Hauptstraßen und viel besuchten Gegenden.

Die San Martino Kathedrale auf dem Piazza mit dem gleichen Namen, liegt ein wenig abseits vom Massentourismus und den Touristengebieten, aber sobald Sie in Ihrer Villa mit Pool in Lucca angekommen sind und planen die Stadt auszukundschaften, ist das ein Höhepunkt, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten.
Decke, San Martino
Das Gebäude ist ein typisches Beispiel gothischer Architektur in dem lokalen, für Lucca typischen, Stil und ist innen wie außen einfach atemberaubend, was für das ausgeprägte künstlerische und kulturelle Erbe dieser außergewöhnlichen, toskanischen Stadt spricht. Wenn man das berücksichtigt, fragt man sich, wie es dieses Gebäude schafft, von so vielen übersehen zu werden und warum es überhaupt da gebaut wurde, wo es jetzt steht.

Die Wahl des Standortes war keinesfalls eine willkürliche Entscheidung und es gibt natürlich einen Grund für diese unorthodoxe Lage. Die Kathedrale wurde im 6. Jahrhundert gebaut, zu einer Zeit als die zentralsten und wichtigsten Gebiete bereits zugebaut waren. Weil San Martino ein Platz war, auf den bereits andere religiöse Gebäude hinab schauten, wurde er zu der Heimat für die wichtigste, religiöse Struktur dieser Stadt gewählt.
Blick über Lucca
Die Kathedrale ist eine Mischung aus dem gothischen und romanischen Stil und, wie das bei vielen italienischen Kirchen so ist, wurde sie über die Jahrhunderte hinweg umgebaut und hat Zubauten bekommen. Sie hat eine hübsche, mehrfarbige Marmorfassade, die an die Kathedrale von Pisa erinnert, allerdings hat diese hier noch Zusätze von Flachreliefs und Designs, die dem Heiligen Martin gewidmet sind, dem Schutzheiligen der Kathedrale und der Ortschaft. Es gibt außerdem einen Portikus mit drei Bögen, wo Pilger, die über die Via Francigena gereist sind, angeblich mit Geldwechslern gehandelt haben, denn Lucca war eine wichtige Pilgerstätte und Verbindungspunkt auf der Strecke. In dem Gebäude ist das berühmte 'Heilige Gesicht von Lucca' zu Hause, ein hölzerner, in Amtsrobe gekleideter Christus an einem Kruzifix, der angeblich von Nicodemus, einem Jünger Jesu', angefertigt wurde. Man behauptet daher, dass diese Statue Sein Abbild exakt widerspiegelt, und dass sie trotz der vielen Missgeschicke, die ihr im 8. Jahrhundert auf dem Weg nach Lucca passiert sind, immer noch unbeschädigt ist. Sie ist heute das Symbol der Stadt. San Martino ist außerdem die Heimat von mehreren wichtigen, italienischen Künstlern, wie Tintoretto und Fra Bartolomeo.

Bei solch hervorragenden Namen, die mit dem Bau zu tun haben und solch wunderbaren Sehenswürdigkeiten, ist das wirklich eine der faszinierendsten Kathedralen in der Toskana.
Bildnachweis
Foto 1: Davide Papalini / CC BY-SA 3.0;
Foto 2: Guerinf / CC BY-SA 4.0;
Foto 3: Sailko / CC BY 2.5

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